Aktuelles

Alle zwei Jahre zeichnet die Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften jeweils zwei herausragende Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Geisteswissenschaften und der Künste aus.


Preisverleihung 2026

Am 11. Juni 2026 verleihen wir zum 3. Mal den Preis für Geisteswissenschaften der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften. Zusätzlich feiern wir das 70-jährige Bestehen unserer Stiftung. Aus diesem Anlass werden wir im Rahmen der Preisverleihung ein kleine Ausstellung über Geschichte und Wirken der Stiftung präsentieren.

Im Rahmen der festlichen Preisverleihung freuen wir uns auf unsere

Gastrednerin Barbara Stollberg-Rilinger,
Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin und Professorin em. für Geschichte der Frühen Neuzeit.

Wir laden Sie herzlich ein, an der Preisverleihung teilzunehmen. Bitte melden Sie sich bis zum 7.6. über den Link unten an. Die ersten 50 Anmeldungen erhalten eine Freikarte für die Kunstausstellung Ingelheimer Tage.

1. Preis: Prof. Dr. Elke Dubbels

Elke Dubbels Arbeit richtet den Blick auf ein erstaunlich aktuelles Phänomen: Gerüchte als politische Machtfaktoren – lange bevor es soziale Medien gab. Untersucht werden Dramentexte vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert, die zeigen, wie entscheidend „das, was man sagt“ war – selbst in Zeiten ohne formelle Mitsprache der Bevölkerung.

Im Zentrum stehen Herrscher, die um ihr öffentliches Ansehen ringen – etwa in den Trauerspielen „Leo Armenius“ und „Carolus Stuardus“ von Andreas Gryphius. Die Stücke machen deutlich: Eine Art „öffentliche Meinung“ existierte bereits, bevor der Begriff im späten 18. Jahrhundert überhaupt geprägt wurde.

Dabei fungieren die Dramen nicht nur als Spiegel politischer Kommunikation. Sie analysieren, spitzen zu und interpretieren das Geschehen – und machen aus Machtkämpfen literarische Formate wie Tragödie oder Komödie. So wird sichtbar, dass politische Deutung auch früher schon eine Frage der Inszenierung war.

Link zum Buch: "Politik der Gerüchte. Dramen von Gryphius bis Kleist im medien- und öffentlichkeitsgeschichtlichen Kontext", 2024, Wallstein Verlag, Göttingen


2. Preis: Dr. Corinna Gannon

Magische Objekte faszinieren Menschen seit jeher – und bieten zugleich einen überraschend aktuellen Zugang zur Kultur- und Mediengeschichte. Im Zentrum von Corinna Gannons Forschungsarbeit steht die Frage: Woher kommt ihre vermeintliche Zauberkraft – und wer kann sie nutzen?

Dafür untersucht sie in ihrem Buch eine bislang wenig beachtete Objektgruppe: Talismane. Sie zeigt, dass diese nicht nur durch ihr Aussehen wirken, sondern auch durch Material, Herstellung und kulturellen Kontext. Ein zentrales Beispiel ist die Prager Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. um 1600. Vor dem Hintergrund früher wissenschaftlicher und naturphilosophischer Ideen erschien die Vorstellung plausibel, dass Dinge besondere Kräfte besitzen. Gannons Forschungsarbeit macht deutlich, dass es dabei weniger um „Hokuspokus“ geht als um historische Formen von Wissen und Weltdeutung.

Der Blick in die Vergangenheit hilft auch, die Gegenwart besser zu verstehen: Denn auch wenn heute kaum noch jemand an Magie glaubt, schreiben wir Objekten und Bildern bis heute Wirkung zu.

Link zum Buch: Wirkmächtige Artefakte. Naturmagische Bildkonzepte und die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. 2025, De Gruyter Brill, Berlin

Preisverleihung 2024

Am 13. Juni 2024 haben wir im Beisein von über 70 Gästen die Preisträgerinnen des Jahres 2024 geehrt: Dr. Galyna Spodarets und Dr. Titia Hensel. Die Festrede hat der Autor und Kunsthistoriker Florian Illies gehalten. Seine Rede über das, was wir aus dem Fluss der Geschichte lernen können, griff die Themen der beiden Preisträgerinnen gekonnt auf und regte zum Nachdenken über die fluide Natur des Erinnerns an. 

Umrahmt wurde die Preisverleihung in der Saalkirche Ingelheim von den Klängen der historischen Skinner-Orgel, gespielt von Carsten und Iris Lenz. Zum Abschluss gab es einen Empfang im Kunstforum Ingelheim mit der Möglichkeit einer Führung durch die Ausstellung "Home Sweet Home" der Internationalen Tage. Bilder dazu finden Sie in unserer Bildergalerie.

1. Preis: Dr. Galyna Spodarets

Galyna Spodarets wirft in ihrer Dissertation einen neuen Blick auf die europäische Flusswelt und zeichnet am Beispiel des Flusses Dnipro deren historische und aktuelle Bedeutungsvielfalt nach. Auf einer breiten Quellenbasis interpretiert sie den Fluss u. a. als christlichen Erinnerungsort, als Raum nationaler ukrainischer Mythen, aber auch als Schauplatz der Katastrophe von Tschernobyl oder als Grenze zwischen Ost und West.
Galyna Spodarets wuchs in Odessa am Schwarzen Meer auf und studierte in Regensburg an der Donau. Sie ist Literatur und Kulturwissenschaftlerin sowie Osteuropa-Expertin mit einem besonderen Fokus auf die Ukraine. Ihre Forschung ist interdisziplinär und komparatistisch geprägt.

„Dnipro – Dnepr: Die Ukraine im Fluss Ostslavische Raumkonzepte im Wandel“. 2023, Reihe Lettre transcript Verlag, Bielefeld.


2. Preis: Titia Susanna Hensel

Titia Hensel untersucht in ihrer Dissertation den politischen Kommunikationsraum zur Legitimation von Frauen in politischen Führungspositionen am Beispiel der Porträtmalerei Franz Xaver Winterhalters. Dabei identifiziert sie verschiedene Strategien zur Herrschaftslegitimation und zeigt eindrucksvoll, wie Herrscherinnen im 19. Jahrhundert bewusst ihr eigenes Image formten. Titia Hensel kommt aus Lüneburg und hat Kunstgeschichte, Germanistik und Kirchengeschichte in Jena, Hamburg und Paris studiert. Am Warburg-Haus der Universität Hamburg koordinierte sie das Internationale Warburg-Kolleg 2012 und schloss dort ihre Promotion ab. 

Das Bild der Herrscherin: Franz Xaver Winterhalter und die Gattungspolitik des Porträts im 19. Jahrhundert.“ 2023, Reihe Ars et Scientia, DeGruyter Verlag, Berlin.


Festredner: Florian Illies

„Was fließt und was bleibt? Lernen aus der Geschichte"

Florian Illies ist Kunsthistoriker und Autor prägnanter Bücher über die Wendepunkte der deutschen und europäischen Geschichte, wie z.B. "Generation Golf" und "Liebe in Zeiten des Hasses". Er geht in seinem Vortrag auf die Frage ein, ob sich überhaupt Lehren aus dem Vergangenen für die Herausforderungen der Gegenwart ziehen lassen.